Dienstag, 6. Oktober 2026

Verkäufliche Kunst


Es gibt zwar auch im Stadtzentrum viele Galerien, die sind aber teuer. Wer sich ein Gemälde kaufen möchte, geht am besten an die Trần Phú Strasse. Hier reiht sich über rund einen Kilometer eine Kunsthandlung an die andere. Die Preise gehen etwa von 20 bis einige hundert Franken. Die meisten Bilder wurden vom jeweiligen Geschäftsinhaber oder seiner Familie gemalt.



Einige Händler sind auch Auftragsmaler, d.h. stellen Bilder nach individuellen Wünschen her. 


Vorlagen können dabei auch Werke bekannterer Künstler sein. Die Grenzen zwischen Original, Kopie, Imitation und Fälschung sind fliessend.


Wenn es sein muss, darf es auch Mona Lisa sein (rechts Bild oben). Völlig legal, solange sie nicht als Original verkauft wird. Etwas problematischer sind Kopien noch lebender Künstler, die Vietnamesen kümmern sich jedoch selten um ihre Urheberrechte. Und für rein privaten Gebrauch: wo kein Kläger...
Also einfach ein Foto eines Werkes und Angaben über Grösse und Technik mitbringen und ein paar Tage später das Bild abholen. 


An der gleichen Strasse sind natürlich auch zahlreiche 
Rahmenwerkstätten.


Freitag, 2. Oktober 2026

Bildende Kunst


Selbstverständlich haben wir hier auch Kunstmuseen, z.B. das Ho Chi Minh City Fine Arts Museum. In drei kolonialen Bauten werden Werke bedeutender vietnamesischer Künstler gezeigt. 


Im Garten befinden sich zahlreiche Skulpturen. 


Die Gebäude verfügen über historische Aufzüge, sie sind jedoch zum Glück nicht mehr in Betrieb. 


Um die gegen 4'000 Werke zu sehen, könnte man hier Tage verweilen. Mich interessiert vor allem moderne (1950-1975)...


...und zeitgenössische Kunst (1975 bis heute):





Ausländische Einflüsse der jeweiligen Epochen sind nicht zu verkennen.


Das Haus 3 ist ein Art Déco Juwel, seine Wendeltreppe ein Geheimtipp.



Dienstag, 29. September 2026

Sovjet-Geschenk


Diesen markanten Rundbau beim Lê Văn Tám Park hat Vietnam 1985 von der UdSSR erhalten. Er beherbergte die erste Bodenstation für Fernsehsatelliten in Südvietnam. Nach 1975 gab es nämlich ein Problem: Die neue sozialistische Republik konnte nur TV-Aufzeichnungen per Luftfracht nach Saigon schicken. Bei Flugausfällen hatte der Süden fast nichts neues auszustrahlen. Abhilfe brachte erst dieses Geschenk der Russen, die so natürlich auch ihre Programme einspeisen konnten. Den Zuschauern war es recht, sie waren sich gewohnt, nur zwei Sender zu empfangen. 

Samstag, 26. September 2026

Leuchtturm mit Aussage

Gleich neben dem russischen Markt ist die Bücherstrasse. 


Eher etwas touristisch, dafür auch mit englischen Titeln.


Etwas versteckt, in der Mitte, steht ein Leuchtturm. Er trägt die Inschrift, unmissverständlich auch auf Chinesisch, «Die Paracelsus- und Spratly-Inseln gehören Vietnam». Immer wieder zanken sich China, die Philippinen und Vietnam über die Territorien im südchinesischen Meer.



Dienstag, 22. September 2026

Auf ein Brotbier beim Russen

In Ho-Chi-Minh-Stadt gibt es nicht nur vietnamesische und chinesische Märkte, sondern auch einen russischen, den Chợ Nga. 


Der weitaus grösste Teil des Angebots sind Winterkleider, obwohl man solche definitiv nicht braucht in Vietnam. 


Nicht fehlen dürfen Souvenirs wie die Matrjoschkas, die ineinander verschachtelten Holzpuppen (oft fälschlicherweise Babuschkas genannt).


Ich habe es indessen auf Lebensmittel abgesehen. Solche Stände sind jedoch weitgehend verschwunden seit die Russen Krieg führen. Dann bin doch noch fündig geworden. 


Russische Würste, Käse, Dosenfisch und Guezli konnten mich nicht zu einem Kauf überzeugen. Noch im Laden genehmige ich mir jedoch ein kühles «Kwas», das populäre Süssgetränk aus vergorenem Roggenbrot (0.45 % Alk.). Gar nicht mal so schlecht, sozusagen das Rivella der Russen. Und dann noch mit (gemalter) Aussicht auf den Roten Platz.


Nach Hause genommen habe ich schliesslich noch zwei Varianten von Kwas: schwarze Johannisbeere aus Vyatka und wilde Beeren vom Vyatka-Wald. Und natürlich auch ein Bier. Aus einer Auswahl der grössten Brauerei «Baltika» wähle ich Nr. 9, ein helles Lager mit 8% Alkohol. Dazu noch etwas Schokolade der Marke «Alenka». На здоровье!




Donnerstag, 17. September 2026

Van Gogh mal anders

Im modernen Teil ennet dem Saigon River besuche ich die «Metashow», die Vincent Van Gogh gewidmet ist. 



Zwar hängt hier kein einziges Original  des Künstlers, doch wird man eindrücklich in seine Welt versetzt. 



Zunächst gibt es einen Abriss seines Lebens. Dann wird einem eine VR-Brille aufgesetzt, und man begegnet ihm höchstpersönlich. Leider kriegt man das auf kein Foto. 



Dann taucht man in verschiedenen Räumen in seine Phantasie ein. 



Durch Lichteffekte und Spiegel wirken die Räume riesig, 


und man schaut in die Unendlichkeit,



oder einfach nur in sein Zimmer. 





In einem 360° Kino werden einzelne Werke gezeigt und erklärt. 




Für ein Spiegel-Labyrinth erhält man eine Schaumstoff-Wurst zum tasten, damit man nicht auf Scheiben oder Spiegel prallt.



Im «Zeit-Tunnel» wird einem trümmlig. Der Steg bewegt sich nicht. 




Genial sind die Bilder, die zum Leben erweckt wurden. 



Das Bild «Weizenfeld mit Krähen» hat er kurz vor seinem Suizid geschaffen,



doch unendlich viele Sonnenblumen und Rosen machen Van Gogh unsterblich. 

 



Montag, 14. September 2026

Brioche mal anders


Im Supermarkt in Saigon entdeckt: «Schweizer Brioche». Nur: so habe ich das in der Schweiz noch nie gesehen. Das Internet schafft Klarheit: Das Gebäck wurde vom französischen Konditor Christophe Felder erfunden und «Brioche Suisse» genannt, warum auch immer. Es ist ein rechteckig gefalteter Briocheteig gefüllt mit Vanillecrème und Schoggi-Stückchen.


Gleich daneben gibt es Berliner, gefüllt mit Vanille- oder Schokoladencrème. Lustigerweise unter dem Namen «Bomboloni».

Freitag, 4. September 2026

Schnee von gestern


«Die meisten Vietnamesen haben noch nie Schnee gesehen». Für natürlichen Schnee mag das zutreffen. Im künstlichen amüsieren sich jedoch schon die Kleinsten: Die Attraktion tingelt von einem Einkaufszentrum zum anderen. 


Mittwoch, 19. August 2026

Auf den Spuren der Helden, Teil 3


Es gibt noch weitere Namen, die in Vietnam immer wieder auftauchen. Diese Strassenkreuzung geht zurück auf die mythischen Ursprünge Vietnams: Der Legende nach war Lạc Long Quân ein Wasserdrache, Âu Cơ eine Bergfee. Die beiden hatten miteinander 100 Kinder, die den Ursprung des Vietnamesischen Volkes bildeten. Der älteste Sohn wurde der erste Hùng-König (2879 v. Chr., siehe Teil 1). Ein Denkmal gibt es hier nicht. 

In der Kolonialzeit hatten alle Strassen in Saigon französische Namen. Diese wurden alle 1954 ersetzt. Mit wenigen Ausnahmen:
(Bild mit KI generiert)
  • Ausgerechnet nach einem Schweizer wurden in vielen Ortschaften Vietnams Strassen benannt: Alexandre Yersin (1863-1943), Arzt und Entdecker des Pest-Erregers. Er lebte jahrzehntelang in Vietnam, u.a. als Leiter von Pasteur-Instituten.
  • Louis Pasteur (1822-1895), Chemiker, Mikrobiologe und Bierbrauer, war zwar nie in Vietnam, jedoch gibt es mehrere Institute mit seinem Namen. Er gilt als Erfinder der Impfungen, was im tropischen Klima besonders wichtig war. 
  • weitere Franzosen: Albert Calmette (1863–1933), Nachfolger von Pasteur, Alexandre de Rhodes (1593–1660), Missionar.
Dazu kommen weitere, nicht offizielle Volkshelden: 
  • Thích Quảng Đức (1897-1963), Mönch, der sich aus Protest selbst verbrannt hat
  • Võ Nguyên Giáp (1911-2013), Politiker und General, dem der Sieg über die Franzosen zugeschrieben wird
  • Tôn Đức Thắng (1888-1980), Nachfolger von Hồ Chí Minh und erster Präsident der Sozialistischen Republik Vietnam 
  • Võ Thị Sáu (1933-1952), Märtyrerin gegen die französische Kolonialherrschaft

Montag, 17. August 2026

Auf den Spuren der Helden, Teil 2

Bis 1975 hatte die Republik Südvietnam ihre eigenen Nationalhelden, die 9 Ahnen und Schutzpatrone ihrer Armee (ARVN). Mein Favorit ist Trần Nguyên Hãn (1390-1429), der Ahne der Übermittlungstruppen. 
(Bild © Tuổi Trẻ)
Von 1965 bis 2014 stand sein Denkmal direkt vor dem Bến Thành Markt. Dargestellt wurde er hoch zu Ross mit einer Taube an der Hand. Er soll tatsächlich Brieftauben für die Kommunikation eingesetzt haben. Das Denkmal war am zerfallen und wich der Metro-Baustelle. Es wurde restauriert und ein Abguss erstellt. Jedoch ist immer noch ungewiss, ob es wieder in der Nähe aufgestellt wird. 

Die übrigen Helden sind:
  • An Dương Vương (Artillerie)
  • Thánh Gióng (Kavallerie)
  • Phan Đình Phùng (Logistiktruppen)
  • Trần Hưng Đạo (Marine, s. auch Teil 1)
  • Erzengel Michael (Luftlandetruppen)
  • Yết Kiêu (Froschmännertruppe)
  • Lê Lợi (Zivilgarde, siehe auch Teil 1)
  • Nguyễn Tri Phương (Infanterie)

Freitag, 14. August 2026

Auf den Spuren der Helden, Teil 1

Das heutige Vietnam hat offiziell 14 Nationalhelden. Der wichtigste ist natürlich Hồ Chí Minh (1890-1969), auf ihn gehe ich diesmal nicht ein. Am zweithäufigsten in Strassennamen und Denkmälern im ganzen Land ist
Trần Hưng Đạo (1228-1300). Er war Mitglied der nordvietnamesischen Königsfamilie und Oberbefehlshaber der Armee und wehrte drei Invasionsversuche der Mongolen ab. In Saigon steht er u.a. im Kreisel vor dem Hilton. Die nach ihm benannte Strasse führt quer durch ganz Cholon. 

Heute besuchte ich hingegen Lê Lợi (1385-1433). Er war der erste Monarch der Lê-Dynastie und Kaiser von Vietnam und gilt als Vorkämpfer der Unabhängigkeit von der Herrschaft der chinesischen Ming-Dynastie. Sein Denkmal steht hinter dem Bình Tây Markt, seine Strasse geht vom Bến Thành Markt zum Opernhaus. 

Die weiteren Nationalhelden sind:
  • Hùng Vương (Könige 28.-2. Jh. v. Chr.)
  • die zwei Trung-Schwestern (Hai Bà Trưng, 1. Jh. n. Chr.)
  • Lý Nam Đế (6. Jh.)
  • Ngô Quyền (898-944)
  • Đinh Bộ Lĩnh (Đinh Hoàn, 924-979)
  • Lê Hoàn (Lê Đại Hành, 941-1005)
  • Lý Thái Tổ (974-1028)
  • Lý Thường Kiệt (1019-1105)
  • Trần Nhân Tông (1258-1308)
  • Nguyễn Trãi (1380-1442)
  • Quang Trung (Nguyễn Huệ, 1753-1792)
Sie alle haben ihre Namen heutigen Strassen verliehen. Von einigen gibt es auch Denkmäler.







Mittwoch, 12. August 2026

Im Flachland Föhn

(© Hanoi's Weatherdude)

Heute weht vor allem östlich von Laos ein starker Föhn. Auch in Saigon ist der heisse Westwind mit bis zu 37° C zu spüren, trotz Bewölkung und Regenzeit. Wie ein Haartrockner.