Freitag, 12. September 2025

OBI auf Vietnamesisch, Teil 1: Schrauben und Maschinen

In Vietnam gibt es keinen Jumbo, keinen Hornbach und keinen OBI. Dafür den Dân Sinh Markt. Hier gibt es alles, was das Handwerkerherz begehrt. 

In der Markthalle und in den umliegenden Läden werden Werkzeug und Beschläge aller Art angeboten. 

Kompressoren und Wasserpumpen, Bohr- und andere Maschinen. 


Dazwischen aber auch Kleider, Haushaltgeräte und Frischfleisch. Absolut sehenswert, auch wenn man gerade nichts braucht.



OBI auf Vietnamesisch, Teil 2: ein SE-227


Der Grund, warum ich hier bin, ist aber ein anderer. Ein draussen parkiertes Auto verrät schon, welche Klientel hier auch angesprochen wird: Leider viel weniger als früher, wird hier Militärmaterial angeboten. 


Schon vor 14 Jahren, als ich das letzte Mal hier war, hiess es, die Ami-Veteranen hätten schon alle guten Stücke zusammengekauft. Geblieben sind nur gefälschte Zippos und nachproduzierte Uniformteile. Fast nur. Immerhin habe ich ein Funkgerät gefunden, ein PRC-25, angeblich von 1968, den identisch aussehenden Vorgänger des später in der Schweizer Armee verwendeten SE-227. Der Händler wollte 3 Millionen (CHF 90.-), das war mir zuviel. Mit Verhandeln auf Vietnamesisch ist man jedoch klar im Vorteil. Der Händler ist mir zweimal bis auf die Strasse nachgerannt, bis er schliesslich mein Angebot von 1.5 Millionen akzeptierte.

Um kein Heimweh an das Mat Mag aufkommen zu lassen, habe ich es gekauft. Für CHF 45.- kann man natürlich kein Museumsstück erwarten, wie ich sie in meiner Sammlung in der Schweiz habe. Es ist jedoch als dekoratives Stück Geschichte allemal seinen Preis wert. Wenn auch zu bezweifeln ist, dass die Bemalung wirklich aus der Zeit ist. 

Montag, 8. September 2025

Realität

Wie die Mondfinsternis in den Medien aussah:

Und wie sie in Wirklichkeit aussah:


Dienstag, 2. September 2025

80 Jahre Unabhängigkeit

Heute ist Nationalfeiertag. Am 2.9.1945 hat Ho Chi Minh Vietnam für unabhängig erklärt. Gefeiert wird dies vor allem in Hanoi, wo eine grosse Parade stattfand. Diesmal auch mit Militärfahrzeugen, die ich auch gerne gesehen hätte. 




    
Das tue ich mir aber nicht an: Für einen Platz mit guter Sicht haben die Leute mehrere Tage, zeitweise im Regen auf den Trottoirs gezeltet.

(Bilder oben: diverse Medien über Facebook)

Ich belasse es bei einem kurzen Blick von unserer Terrasse auf das immer gleiche Feuerwerk. 



Donnerstag, 28. August 2025

The Beast of Vietnam

Auf den 80. Nationalfeiertag am 2. September darf Vinfast dem Aussenministerium 12 neue Staatskarossen liefern. Zwei davon sind gepanzert und ausgestattet wie Trump's The Beast. 

Das Modell Lạc Hồng 900 LX wird angetrieben von zwei Elektromotoren mit total 408 PS (gepanzerte Version 455 PS) und max. 620 Nm Drehmoment. Die Reichweite mit einer Ladung wird mit 595 km angegeben. Ein gepanzertes Fahrzeug wurde in Deutschland mit 440 M80-Geschossen und 11 DM51-Granaten getestet. 

Das Interieur besticht mit feinstem Leder, Edelholz und Gold.

Der Name kommt von einem frühen Herrscher oder Kriegsgott, der der Legende nach ein Vorfahre des Vietnamesischen Volkes war. 

(Bilder: © VinFast)

Nachtrag:

Der Wagen, der im Beschussamt in Ulm (D) war, wird derzeit in Hanoi ausgestellt:


(Bilder: © VNexpress)



Montag, 25. August 2025

Trottoir-Frisöre



Auf der Tafel unten links steht "Coiffeur kostenlos". Tatsächlich kann man sich hier an der frischen Luft gratis die Haare schneiden lassen - von Lernenden. Ich bleibe lieber beim Barber Shop um die Ecke und zahle CHF 2.50 für den Haarschnitt. 

Mittwoch, 20. August 2025

Zirkus-Zylinder

Gestern wurde, ebenfalls auf dem Gelände der alten Rennbahn, das neue Zirkus- und Mehrzwecktheater eröffnet. Der 57 m hohe Zylinder enthält einen Hauptsaal mit 2'000 Sitzplätzen, Konferenzräume mit bis zu 300 Plätzen, Technik-, Gastro- und Backstageräume sowie ein Parkhaus. Die Investitionssumme beträgt CHF 42 Millionen. 

(Bild des Hauptsaals © VNexpress)

Dienstag, 19. August 2025

Pferde- und andere Rennen

Ausser dieses versteckte Rössli am Eingang des Ho Chi Minh Sport Centers, 1 km von zuhause, erinnert kaum noch etwas daran, dass Saigon einst ein Mekka des Pferdesports war. 

Auf Google Earth sieht man jedoch noch sehr gut die alte Rennbahn: 1932 bauten die Franzosen auf dem 444'540 m² grossen Gelände eine 3 km lange Pferderennbahn (gelb nachgezeichnet) mit Tribünen- und Jockey-Gebäude (rot). Im Krieg diente die Anlage als Militär- und Flüchtlingscamp, 1975 wurde sie durch die Nordvietnamesen geschlossen. 1989, nach einer Renovation durch chinesische Investoren fanden dann wieder Rennen statt, auf dem verkürzten heute noch sichtbaren Oval. Es werden auch Töff-, Hunde- und Wasserbüffelkarren-Rennen erwähnt. Hauptsache, es kann gewettet werden. 

Der langgezogene Gebäudekomplex steht noch, ist aber überall abgesperrt. Ich wage mich auf das Gelände. "Hey! Hello!" und "no pictures!" Zurufe von Securities ignoriere ich einfach. 

Die Bauten sind in desolatem Zustand. 2011 war das endgültige Aus. Bis heute wird das Gelände für verschiedenste Sportarten genutzt. Die Pachtverträge wurden jedoch alle gekündigt. Ein Millionenprojekt mit 5 Entlastungsstrassen quer durch das Gelände und ein Freizeit- und Erholungsgebiet wird den Pferdesport endgültig in Vergessenheit drängen. Die Bauarbeiten haben dieses Jahr bereits begonnen. 


    (S/W-Bild: ©Saigoneer) 

Oben: Hier wurden einst Jockeys und Wettquoten angezeigt. 


    (S/W-Bild: © Saigoneer)
Tribüne für wohlhabende Zuschauer heute und damals 
    (Bild: © Lương Định Văn)

Hinter einem heutigen Fussballplatz versteckt steht noch dieses Monument:

Unter dem Pflanzenmantel steht "SAIGON RACING CLUB"

Und so soll die Zukunft aussehen:
(Bild: ©24h.com.vn)


Donnerstag, 7. August 2025

Vom Sanitär gelernt

Die Installationen sehen in Vietnam  oft abenteuerlich aus. Trotzdem kann man von den Handwerkern noch was lernen:

Wenn man einen Sack Kabelbinder am Ende öffnet, fallen sie andauernd raus. Macht man das Loch in der Mitte des Sacks, kann man die Kabelbinder bequem entnehmen, und keiner geht verloren. 

Freitag, 1. August 2025

1. August

 

Zur Feier der Schweiz habe ich für die vietnamesische Familie Wurst-Käse-Salat gemacht. Vor allem der Käse stiess nicht auf grosse Bewunderung. Zum Znacht hingegen habe ich Rindshuft und Pommes gekocht. Thái's Cousine war begeistert von der selbergemachten Kräuterbutter. Nach dem Essen hat sie noch eine ganze Portion davon ohne "Beilage" verspeist.

Mittwoch, 30. Juli 2025

Lightshow 2.0

Mein Laser projiziert zwar hübsche Grafiken auf die Wand, aber der Strahl blieb bisher unsichtbar. Nicht so mit der neuen Nebelmaschine: Linien werden zu Ebenen, der Kreis wird zum Tunnel. 




Mit dem DMX Controller kann ich anstelle des eingebauten Standardprogramms manuell alle Parameter einstellen, Grafiken erzeugen und Abläufe programmieren. Die Gerätschaft aus China ist äusserst billig: Das ganze Equipment kostet weniger als 100 Franken. 






Montag, 28. Juli 2025

Kleines Vergnügen

In den Frischbierhallen (quán bia hơi) ist es üblich, dass man auch isst. 150 m von zuhause ist eine solche Bierhalle. Glücklicherweise haben die jetzt ein paar halbe Ölfässer auf das Trottoir gestellt, wo man gemütlich Bia Hơi trinken kann, ohne zu Essen. Zumindest fast: zum Gedeck gehört doch noch etwas zum Knabbern (30 Rappen pro Portion). Ein Becher Bier kostet übrigens 46 Rappen. 


Und in Sicherheit kann man sich auch fühlen: im Hintergrund links in blau ist der Polizeiposten.




Dienstag, 8. Juli 2025

Rakete in der Stadt

Wie schon viele vor mir, habe ich mich gefragt, was diese Rakete (linke Bildhälfte) mitten in der Stadt zu suchen hat. Die Einheimischen nennen sie "Raumschiff Apollo". Der 46 m hohe Beton-Turm wurde 1966 gebaut, in der Zeit des gleichnamigen amerikanischen Raumfahrtsprogramms. Mit Raumfahrt hat er allerdings nichts zu tun: Es handelt sich um ein Überdruckventil des Wasserwerks (Sawaco), das damals schon 90% der städtischen Haushalte mit Leitungswasser versorgte. Stromausfälle oder Überschwemmungen würden ohne dieses Ventil die Leitungen zum Bersten bringen. Der ursprüngliche Sichtbeton wurde erst kürzlich weiss-blau bemalt. Die eleganten blauen "Flügel" dienen der Stabilisierung der Windlast.

Samstag, 5. Juli 2025

Tschüss Hai-Kiefer



(Bild: © Hanoi Times)

In Hanoi wird gerade eines der bekanntesten Bauwerke abgerissen: der "shark jaw" (Hai-Kiefer) am Kreisel nördlich des Hoàn Kiếm Sees. Seit seinem Bau 1991-1993 war das Gebäude umstritten. Der fast schon brutalistische Bau passte weder zur umliegenden Altstadt und dem zierlichen Schildkröten-Inselchen, noch wäre es ein schicker moderner Kontrast dazu. Die zahlreichen Cafés darin mit der besten Aussicht auf den See, das Old Quarter und den belebten Kreisel wurden jedoch zu einem riesigen Publikumsmagneten, ganz besonders, wenn Feuerwerk angesagt war. Und irgendwie war es schon speziell und prägte drei Jahrzehnte lang das Gesicht von Hanoi. 

(Bild (c) VietnamUpdates)

Jetzt wird es dem Erdboden gleich gemacht. Es weicht einem Milliardenprojekt zur Verschönerung des ganzen Platzes. Gebaut wird aber nur unterirdisch. Kein Gebäude mehr. Sicher wird alles schöner. Aber im 6. Stock Kaffee trinken und die Aussicht geniessen, das wird es definitiv nie mehr geben. 


Mittwoch, 2. Juli 2025

Neuaufteilung

Per 1. Juli wurde im ganzen Land die öffentliche Verwaltung reorganisiert. Für Ho Chi Minh City hat dies besonders gravierende Konsequenzen: Zur bisher eigenständigen Stadt gehören jetzt auch die ehemaligen Provinzen Bình Dương und Bà Rịa inkl. Küstenstadt Vũng Tàu. 

(Bild © TDG Group)

1. Die Stadt war bisher aufgeteilt in Distrikte (Quận) und diese in Bezirke (Phường). Beide waren einfach nummeriert. Nun wurden je 2-4 solcher Bezirke zusammengelegt und erhalten einen ausgeschriebenen Namen. 


(Bild: © TTXVN)

Für unsere Adresse beispielsweise heisst das:

Bisher: 120/3C Bình Thới Street, Phường 14, Quận 11, TP.HCM. 

Bezirk 14 wurde nun zusammengelegt mit Bezirk 5 und heisst neu Phường Hòa Bình. Der Distrikt wird künftig weggelassen. Unsere Adresse lautet somit 
Neu: 120/3C Bình Thới Street, Phường Hòa Bình, TP.HCM. 

(Bild: © Vinasun)

Noch komplizierter ist es im Stadtzentrum: Bezirksgrenzen wurden verlegt und aus 10 wurden 4 Bezirke:

(Bild: © UYỂN NHI)

Für den Touristen ist es jedoch einfach: Das Zentrum mit den Sehenswürdigkeiten ist der Bezirk Saigon (Quận Sài Gòn), die Partymeile ist im Bezirk Bến Thành.