Montag, 12. Februar 2024

Vom vergammelten Block zum Instagram Star

Ein gewöhnlicher Wohnblock aus den 60er Jahren. Einst wohnten hier hohe Beamte und US Offiziere. Nach dem Krieg wurden noch Werftarbeiter untergebracht, dann stand das Gebäude leer. Doch...
spätestens seit die Strasse zum edlen autofreien Boulevard wurde, und niemand die mittlerweile explodierten Mietzinse für die schäbigen Wohnungen zahlen wollte, zogen originelle Cafés und Boutiquen ein. Die vielen bunten Leuchtreklamen wurden zum Instagram Hype und schliesslich zur Touristenattraktion. Der Stadtverwaltung ist es ein Dorn im Auge, denn gemäss Zonenplan ist in den 8 Obergeschossen kein Gewerbe erlaubt. Doch die Popularität und etwas Kleingeld wird vielleicht Schliessungen der Betriebe verhindern. 

Sonntag, 11. Februar 2024

Willkommen im Jahr des Drachen

Wie jedes Jahr zu Tết ist der Nguyễn Huệ Boulevard mit Blumen und Skulpturen zum Thema des aktuellen Sternzeichens geschmückt.


Wir sind im Jahr des Drachen angekommen. Und nicht nur wir, sondern auch Tausende von anderen Handy-Knipsern. 




Hier ist übrigens auch das gute alte Rex Hotel, wo ich vor genau 13 Jahren mit dem Vietnam-Virus angesteckt wurde. 



Samstag, 10. Februar 2024

Happy new Year

Es ist soweit. Wir sind in das neue (Mond-) Jahr gerutscht.


Alles Gute für das Jahr des Drachen!



Dienstag, 6. Februar 2024

Hauptkampftage der Dekorationsverkäufer

Tết steht vor der Tür. Dieser Tage sind die Strassen voll von Ständen mit Blumen und Dekorationsmaterial.
In der Chinatown (Chợ Lớn) herrscht die Farbe Rot vor, in der übrigen Stadt Gelb,

wie hier entlang einem Seitenkanal des Saigon Rivers im District 8, wo die Händler ihre Produkte per Schiff anliefern (hinter dem Geländer zu erkennen).
Diese beiden Verkaufsstrassen sowie noch sehr viele mehr haben momentan eines gemeinsam: Tausende von Kunden und Schaulustigen auf ihren Töffs im Stau:



Samstag, 3. Februar 2024

Blumen auf dem Bahnhof

Heute wurden die Blumenmärkte für Tết eröffnet.
An der Stelle des Parks beim Bến Thành Markt war übrigens bis 1975 der Hauptbahnhof. 
Zwischen dem Park und dem Tết-Markt vor dem Bến Thành ist erneut ein Bahnhof, allerdings unterirdisch. Auch mit 10 Jahren Verspätung ist die Metro noch immer nicht eröffnet. Eine kleine Vorschau gibt es vom Lichtpavillon aus:



Freitag, 2. Februar 2024

I can fly

Auf unserem Hausdach habe ich einen Helikopterlandeplatz errichtet

mit der Absicht, Flugaufnahmen von unserem Quartier zu machen.

Der Helikopter war ein Schnäppchen für 790'000.-

Vietnamesische Dong, versteht sich, das sind rund 27 Franken.
Das Fliegen gestaltet sich schwierig, zumal wir dauernd leichte Böen haben, die das Fluggerät gar nicht gerne hat. Einmal wurde es ausserhalb Reichweite der Steuerung gepustet. Schock!!! Zum Glück hatte ich kurz darauf wieder Kontakt und konnte nach Hause fliegen. 
Ich warte nun auf besseres Flugwetter, das es meist nur um 6 Uhr morgens gibt. Dann folgen vielleicht auch bessere Aufnahmen. 

Donnerstag, 1. Februar 2024

Kulinarische Entdeckung

Praktisch jeden Tag fahren wir an einem grossen Dim-Sum-Restaurant in unserem Stadtkreis vorbei. Wohl ziemlich langweilig, dachten wir, bis ich im Internet auf dessen Speisekarte gestossen bin.
Nebst den verschiedensten kreativen Teigtaschen gibt es sautierte Jakobsmuscheln auf grünen Spargeln,
frittierte Riesencrevetten im Teigmantel an einer Ananas-Mayonnaise, gedämpfte Krabbenrollen mit Fischrogen und noch viele weitere Spezialitäten. 
Daneben sehen der Litschi-Eistee und der Kumquat-Slushie nicht nur gut aus, sondern schmecken auch ebenso. Wir werden das Lokal definitiv wieder besuchen. 

Mittwoch, 31. Januar 2024

Overdressed

Eigentlich hatten wir uns extra schick gekleidet, um im noblen Stadtkreis 2 essen zu gehen.
Weil da nichts daraus wurde, essen wir in einer Strassenküche Phá Lấu, einen Innereien-Schmortopf.
In unserem Falle sind vor allem Kutteln und Leber zu erkennen. Andernorts gehören Zunge, Ohren und Magen dazu, oder wie vor dem Binh Tây Markt Würste mit Innereien. 

Festvorbereitungen

In 10 Tagen ist Tết, das grosse Neujahrsfest. Überall wird fleissig gearbeitet, doch es ist bei weitem noch nicht alles bereit, so wie hier im modernen District 2. 


Fertig sind schon riesige Sonnenblumenfelder, die die Skyline noch fotogener machen. 

Freitag, 26. Januar 2024

Vietnamesisch für Frankophone

Vietnamesisch ist definitiv keine romanische Sprache. Dennoch haben 100 Jahre Kolonialisierungsversuche ihre Spuren in der Sprache hinterlassen. Ich habe schon etliche Wörter gesammelt, die aus dem Französischen kommen. 
Das erleichtert auch etwas die Aussprache der ungewohnten Schreibweise:
ph wird f ausgesprochen 
x = scharfes s
d wird j ausgesprochen (im Gegensatz zu đ = d)
ơ = wie das EU in beurre

Nur eines kommt aus dem Deutschen: bia = Bier, es wird so ausgesprochen wie es die Deutschen tun.

Dienstag, 23. Januar 2024

Hörnli ohne Ghackets

Es muss nicht Hackfleisch sein. Mit Schweinsfleisch am Knochen, Blutwürfel und Rettich ist die Hörnlisuppe tipptopp. Eine vollwertige Mahlzeit auf der Strasse für einen Franken. 

Montag, 22. Januar 2024

Verwöhnte Katzen

Nicht nur die Menschen in Vietnam essen aussergewöhnlich und vielseitig, sondern auch deren Katzen. 
Als Delikatessen für sie werden nebst getrocknetem Fisch auch ebensolche Vögeli angeboten. Natürlich gibt es auch Dosenfutter (Paté), allein von einem Hersteller in 14 Geschmacksrichtungen. 
Als Trockenfutter kann man sich Würfel aus Fleisch, Fisch, Ei usw. zusammenstellen lassen. 
Überteuertes "Sheba" braucht es nicht, zum Verwöhnen gibt es verschiedene Snack-Pasten in Kleinportionen.
Futter im europäischen Sinne ist auch erhältlich. 
So eine naturnahe Ernährung gibt einen gesunden Schlaf. 

Donnerstag, 18. Januar 2024

Die Waffen des Herrn Taylor

Auf unserem obligaten Ausflug nach Vũng Tàu habe ich diesen netten Herrn kennengelernt. 
Mr. Robert Taylor, 78, vormals Maschineningenieur in London, hat sich 1996 in Vũng Tàu niedergelassen. Er ist seit er 18 war begeisterter Waffen- und Uniformsammler. 2006 hatte die Stadt Vũng Tàu Projekte für Tourismusinvestitionen ausgeschrieben. Taylor bewarb sich. Es gab keine Gesetze für ein Museum eines Ausländers, und privater Waffenbesitz ist in Vietnam verboten. Die Stadt hat Taylor jedoch bei den äusserst komplizierten Verhandlungen unterstützt, und er erhielt 2011 eine Lizenz. Ein Jahr später konnte er seine Sammlung aus London importieren. 
Vũng Tàu stellte ihm sogar eine alte französische Villa gratis zur Verfügung, mit der Auflage, diese zu renovieren. 2016 konnte Mr. Taylor sein privates Museum eröffnen. 
Seine Sammlung ist riesig. Über 3'000 Exponate vom Mittelalter bis zum Vietnamkonflikt sind professionell ausgestellt. 
Das Landesmuseum in Zürich kann einpacken. 
Selbst die Schweiz ist vertreten, mit einem Hauptmann, einem Furier, 3 Soldaten und mehreren Waffen:
Die Sammlung ist so einzigartig, dass sie sogar Auszeichnungen von der Sozialistischen Republik Vietnam erhalten hat, und dies obwohl sie Privateigentum eines Ausländers ist. 


Dienstag, 16. Januar 2024

1 x Partymeile für Fr. 2.80



Da gerade in der Gegend, gehen wir eins ziehen in der Partymeile Bùi Viên Street. Im etwas ruhigeren älteren Teil kosten zwei Bier und ein Softdrink sowie ein bewachter Töffparkplatz in der kleinen Seitengasse hinter uns je 70 Rappen. Prost.

Montag, 15. Januar 2024

Das etwas andere Café

Es brauchte Detektivarbeit, diesen Ort zu finden. Nur äusserlich ist es ein ganz normales Café. Im Internet ist nicht viel zu finden, und wenn, dann mit falschen Adressen. Dabei hatte dieses Haus Einfluss auf die Weltgeschichte. 
In der Gaststube wird auf ein Trinkgeld hin ein Salontisch beiseite geschoben und ein Stück Boden herausgenommen. 
Darunter befindet sich eine geheime Treppe zu mehreren Räumen und kleinen Tunnels (Die Häuser in Vietnam sind normalerweise nicht unterkellert).
Hier wurden 1968 durch Offiziere der nordvietnamesischen Special Forces Vorbereitungen zur Tet-Offensive getroffen und fast 3 Tonnen Waffen und Munition versteckt. 
Ein Gang führt zu einer weiteren Treppe und einem Schacht mit Eisenleiter.
Und wo kommt man heraus?
Unter dem Lavabo im 1. Obergeschoss.
Im Café steht der Döschwo, mit dem in den Nachtstunden die Waffen, getarnt in Gemüsekörben, angeliefert wurden.
Der Hausbesitzer hat liebevoll noch viele weitere Relikte aus jener Zeit ausgestellt, auch seine Ventilatoren- und Radiosammlung.